Idiotentest

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Stand 19.11.2009

 

 

 

 

 

Wenn Sie diese Informationsseite über das Stichwort "Idiotentest" gefunden haben, dann gleich eine Warnung vorweg: Sie sind in Gefahr, in eine falsche Richtung zu denken. Der Begriff "Idiotentest" ist leider immer noch verbreitet, hat aber einen historisch entsetzlichen Hintergrund, er ist nach unseren Informationen entstanden zur Nazi-Zeit als kurze und brutale Beschreibung der Überprüfung so genannten "lebensunwerten Lebens" und bezeichnete die "Überprüfung" von Behinderten zwecks Tötung. Allein dieses Wissen sollte ausreichen um den Begriff nicht mehr zu verwenden. Das um, was es geht, ist die "Medizinisch-Psychologische Untersuchung" (MPU) zur Feststellung, ob jemand geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist.

Diese Geeignetheit ist neben der Befähigung (die durch die so genannte Führerscheinprüfung überprüft wird) die zweite Voraussetzung, um in Deutschland ein Kraftfahrzeug führen zu dürfen. Diese Überprüfung wird immer dann notwendig, wenn durch Tatsachen Zweifel an der Eignung erweckt werden: Wiederholte Verkehrszuwiderhandlungen mit oder ohne Alkoholeinfluss, hohe Promillezahl bei der ersten Trunkenheitsfahrt, Straftaten in Verbindung mit dem Führen eines Kraftfahrzeuges etc.. Der Gutachter muss in diesen Fällen prüfen, ob eine tatsächliche Wiederholungsgefahr besteht.

Jedes Angebot, mit dem Schwerpunkt der "Vorbereitung auf die MPU" ist sein Geld nicht wert, wenn es Ihnen lediglich verspricht, Ihnen bei Bestehen des "Testes" zu helfen, ohne Ihnen Hilfestellung zu geben, eine erneute Trunkenheitsfahrt, ein Drogendelikt oder weitere Punkte zu vermeiden. Wenn Sie glauben, eine Gesellenprüfung, eine Abiturprüfung oder auch nur eine Führerscheinprüfung dadurch bestehen zu können, dass Sie ein paar Standardantworten auswendig lernen, irren Sie sich.

Natürlich glauben Sie, dass Sie nie wieder betrunken/zu schnell fahren werden - aber haben Sie das vor der letzten Auffälligkeit nicht auch geglaubt...? Wichtig für Sie persönlich wird es sein, sich gründlich mit den Ursachen, Gründen und Hintergründen Ihrer Auffälligkeiten auseinandergesetzt zu haben - nur dann können Sie mit einem guten Gefühl in die Untersuchung gehen - Sie sitzen schließlich gut ausgebildeten Profis gegenüber, die auswendig gelernte Standardantworten schon hundertmal gehört haben.

Wenn Ihnen aufgrund einer Trunkenheitsfahrt eine MPU bevorsteht, gehören Sie rein statistisch zu einer Gruppe, deren Risiko einer Trunkenheitsfahrt etwas 10 mal so hoch ist wie die durchschnittlicher Kraftfahrer. Das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, ist nicht ein negatives Gutachten, sondern eine weitere Auffälligkeit.

Sie sitzen gut ausgebildeten Diplom-Psychologen gegenüber, deren tägliche Arbeit es ist, auf Grundlage einer sorgfältigen Ausbildung, von wissenschaftlicher Untersuchungen und langjährigen Erfahrungen sehr gezielt solche Fragen zu stellen, die eine Schätzung Ihrer Rückfallwahrscheinlichkeit ermöglichen. Für Sie selbst ist es die erste, zweite oder dritte Untersuchung, für den Gutachter ist es die 1.287 Untersuchung - er lässt sich nichts vormachen. Ich betone dies deshalb sehr deutlich, um Ihnen die Illusion zu nehmen, das Lesen von einigen Websites oder eines Buches würde alle offenen Fragen klären können - eine realistische Einschätzung Ihrer Situation kann Ihnen im Regelfall erst nach Prüfung von vorhandenen Unterlagen und einem persönlichen Gespräch gegeben werden.

Aktueller Zusatz aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den letzten Jahren: Seit etwa 10 Jahren beobachtete ich eine beunruhigende Entwicklung: Das gesamte Begutachtungsverfahren gerät zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Es gibt es immer mehr Begutachtungsstellen und immer weniger Begutachtungen (weil die Kontrolldichte sinkt, Menschen zuwenig Geld für die MPU haben oder einfach einen Führerschein im Ausland machen). Die Begutachtungsstellen sind immer mehr gezwungen, als "profit-center" für die privatwirtschaftlich organisierten Träger zu arbeiten. Dieser Druck führt zum einen dazu, dass gerade fachlich fundiert und verantwortungsbewusst arbeitende Gutachter abwandern und dazu, dass die Begutachtungsträger immer neue Arbeitsfelder im Bereich der Vorbereitung, Gruppenangebote, Einzelmaßnahmen erfinden, die sie über gezielte Empfehlungen aus der Begutachtung heraus versuchen, zu füllen. Aus meiner Sicht gerät damit die gesetzlich geforderte wirtschaftliche Unabhängigkeit in Gefahr. Da die Träger von Begutachtungsstellen in dieser Entwicklung sehr unterschiedlich reagieren, kann ich meine frühere Position, dass es unter fachlichen Gesichtspunkten egal ist, zu welcher Untersuchungsstelle man geht, nicht mehr aufrechterhalten. Inzwischen ist es wichtig geworden, auch die wirtschaftliche Interessenverknüpfung von Begutachtungsstellen und Anbietern verschiedener Maßnahmen zu kennen, um nicht in Gefahr zu laufen, an eine Begutachtungsstelle zu geraten, die unter wirtschaftlichen Druck steht, ihre von einer Tochtergesellschaft angebotenen Kurse zu füllen. Die Abwägung der verschiedenen Gesichtspunkte kann nur im Einzelfall gelingen, grundsätzlich gilt aber die Einschätzung, dass es immer besser ist, zu einem Träger zu gehen, der sich auf sein Kerngeschäft beschränkt, nämlich die Begutachtung.

Was also tun?

Grundsätzlich gilt: Neben einer guten juristischen Beratung sollten Sie sich für die Einschätzung einer Untersuchung an Diplom-Psychologen wenden. Wenn von Diplom-Psychologen die Rede ist, liegt das einfach daran, dass Sie bei der Untersuchung dieser Berufsgruppe gegenübersitzen werden - und sie fragen ja auch keinen Sozialarbeiter, was Sie bei einer Steuerprüfung erwartet oder einen Gynäkologen, wie sie sich am besten vor Karies schützen können. Zum zweiten sollten Sie darauf achten, das diejenigen, die Sie beraten, völlig unabhängig von der Begutachtungsstelle arbeiten. Jemand, der vormittags Gutachten erstellt und nachmittags eine Etage tiefer berät, worauf es ankommt, ist sicher fachlich kompetent, setzt sich aber dem Verdacht aus, die verschiedenen Sichtweisen, Interessen und Abhängigkeiten nicht sauber trennen zu können.

Was also tun? - Am besten ist es, sich erst einmal fundiert über die Problematik zu informieren. Eine kommentierte Literaturliste finden Sie auf meinen Seiten. Eine Möglichkeit, sich über die Qualifikation von Anbietern von Maßnahmen zu informieren, ist die Überprüfung, ob jemand  Diplompsychologe ist und eine amtliche Anerkennung nach § 4, Abs. 9 des Straßenverkehrsgesetzes besitzt. Und schließlich gibt es die Möglichkeit, sich bei seriösen Berufsverbänden (BDP, BNV) über spezialisierte Verkehrspsychologen vor Ort zu informieren. Weitere Links und FAQ auf diesen Seiten. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und viel Erfolg bei ihrem Bemühen, den Führerschein nicht zu erhalten, sondern auf auf Dauer zu behalten.

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