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Projektskizze
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Agenda 21 - Projekt Nachhaltiger Stadtteil Hoheluft Ost" Projektskizze, Stand 03.05.97 Projektgruppe Hoheluft, c/o Büro Reumschüssel, Colonnaden 43, 20354 Hamburg, Tel. 35711169, Fax 35719700
Pilotstadtteil Hoheluft Ost Wir schlagen vor, die Planung für die Umnutzung der Falkenrieder Fahrwerkstätten (FFG) zu nutzen, um in Hamburg exemplarisch anhand eines größeren Projektes einen Planungsprozeß gemäß den Prinzipien der Agenda 21 in Gang zu setzen. Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen die Falkenrieder Fahrwerkstätten. Die gegenwärtig noch gewerblich genutzte Fläche inmitten des Stadtteils Hoheluft Ost (Eppendorf) wird in den kommenden Jahren überwiegend in Wohnungsbaufläche umgenutzt. Im Rahmen der Umnutzung der FFG besteht für Hoheluft Ost die Chance, als sozial, wirtschaftlich und baustrukturell vielfältiger Stadtteil mit hoher Entwicklungsdynamik, eine Pilotfunktion für die Übertragung und Umsetzung des Gedankens der Nachhaltigkeit auf örtlicher Ebene zu übernehmen. Die Auftaktveranstaltungen des Senates der FHH zur Agenda 21 fanden zu Beginn des Jahres ´96 mit einer Reihe von Fachforen anläßlich der Unterzeichnung der Aalborg-Charta auf Einladung des Ersten Bürgermeisters im Rathaus statt. Mehr als 100 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, Kirchen, Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden waren zugegen, als der Erste Bürgermeister die Absicht und Zielvorstellungen der Umsetzung der Ideen und Grundsätze dieser Charta erläuterte: "...Die nachhaltige Nutzung der Umwelt erfordert von uns, daß die Verbrauchsrate von erneuerbaren Rohstoff-, Wasser- und Energieressourcen nicht höher ist als die Neubildungsrate, und daß nicht erneuerbare Ressourcen nicht schneller verbraucht werden, als sie durch dauerhafte, erneuerbare Ressourcen ersetzt werden können. ... Darüber hinaus heißt nachhaltige Nutzung die Erhaltung der Artenvielfalt, der menschlichen Gesundheit sowie die Sicherung von Luft, Wasser und Bodenqualitäten, die ausreichen, um das Leben und das Wohlergehen der Menschen sowie das Tier- und Pflanzenleben für alle Zukunft zu sichern." Die Spezifität eines Agenda 21-Prozesses besteht aber nicht nur in einer höheren Ergebnisqualität, sondern vor allem in einer höheren Prozeßqualität. Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichen Herangehensweisen an eine Planung besteht vor allem in der Integration aller betroffenen Akteure, der Bürger der Unternehmen sowie der öffentlichen Institutionen. Einzelmaßnahmen müssen vom Beirat und örtlichen Agenda 21- Gremien am Runden Tisch entwickelt und beschlossen werden. Diese stärkere, verbindlichere und frühzeitige Einbeziehung der Beteiligten eröffnet die Chance, daß Planungsprozesse durch frühzeitiges Lösen von Zielkonflikten im Endeffekt glatter laufen, weil sie von allen Betroffenen akzeptiert werden und entstehende Projekte von Anfang an organisch in das Umfeld eingebettet sind. Da am Quartier Hoheluft Ost in idealer Weise sowohl die Voraussetzungen für einen solchen Planungsprozeß als auch die Realisierbarkeit der inhaltlichen Zielvorstellungen der Agenda 21 gegeben sind, kann hier ein wesentlicher Beitrag der Hansestadt Hamburg zur Erfüllung der Prinzipien der Agenda 21 und der Aalborg-Charta geleistet werden, der sich zudem positiv auf das Image und die Standortqualität der Stadt auswirken dürfte. Nachhaltige Stadtentwicklung in und für Hoheluft Ost heißt:
Der zu beplanende Bereich bietet als Kern für die Entwicklung eines solchen Pilotstadtteiles" gute Voraussetzungen, da er als bestehende Struktur auch historisch in die Umgebung eingebettet ist (er wird nicht als implantierter Fremdkörper erlebt), er hat eine optimale Größe, um eigenständige und differenzierte Binnenstrukturen zu entwickeln, ohne unüberschaubar zu werden und er bietet die Form eines geschlossenen Gebietes mit durchlässigen Grenzen in die Umgebung. Inhaltliche Planungsziele Abgeleitet von den Prinzipien der Agenda 21 sollte folgende Planungsziele Berücksichtigung finden:
Die folgenden Themen haben besondere Relevanz. Dabei haben wir uns darauf beschränkt, die Zielstruktur nur anzureißen und lediglich exemplarisch Ansprechpartner zu nennen, die in einen solchen Planungsprozeß mit einbezogen sein könnten. Wichtig wird vor allem die Aktivierung lokaler Initiativen, Interessenverbände, sozialer Einrichtungen etc. sein. Es geht uns auf dieser Stufe darum, einen Planungsprozeß in den Prinzipien zu beschreiben, nicht darum, ihn stellvertretend zu vollziehen.
Integrierte Energiesparsiedlung Die Gebäude werden in verdichteter Bauweise erstellt, ein Blockheizkraftwerk für die Siedlung wird angestrebt, und es gibt eine vertiefte Qualitätssicherung im Hochbau in Hinblick auf energetische Aspekte. Die Gebäude werden vorrangig nach Süden orientiert, kompakt und in Anlehnung an den Niedrigenergiestandard gebaut (siehe hierzu auch Energetische Empfehlungen zur Siedlungs- und Gebäudeplanung 1995", Herausgeberin: Umweltbehörde, Energieabteilung). Potentielle Kooperationspartner: Solarinitiative Nord, Handwerksbetriebe/Planungsbüros, TU Harburg, Fachhochschule Berliner Tor, Architektenkammer, Verbraucherzentrale, Umweltbehörde, Handwerkskammer.
Flächenrecycling Dies bedeutet ein Zusammenspiel der folgenden Maßnahmen, mit dem Ziel der Reduzierung des Verbrauchs ökologisch hochwertiger Flächen an der Peripherie der Stadt. Erreicht werden kann dies durch ein Angebot infrastrukturell gut erschlossener Flächen für verschiedene Gewerbebetriebe und Wohnformen im Stadtgebiet:
Ressourcenschonendes Bauen Verminderung des Ressourchenverbrauches meint nicht nur die weitgehende Verwendung der Bausubstanz sowie den optimierten Einsatz der Abbruchmaterialien vor Ort, also Bestandsrecycling, sondern auch die Verwendung von Baustoffen aus dem Umland, die einen möglichst hohen Grad der Recyclebarkeit haben sollen.
Frauenbezogene und familienfreundliche, d.h. menschliche Planung Gerade für Frauen und Familien mit Kindern machen helle, übersichtliche und belebte Wege einen Teil von Wohnqualität aus. Die fußläufigen Haupterschließungsachsen, die eine gute Erreichbarkeit des übrigen Stadtteils gewährleisten, sind zugleich die Vorderseiten der Gebäude und ermöglichen auf diesem Wege eine gewisse soziale Kontrolle. Ebenso sollte diese Achse soziale Kontakte ermöglichen und so zum Flanieren einladen. Dort werden sonnige und vor Verkehrslärm geschützte Grünflächen, kleine Aufenthaltszone und Kinderspielbereiche vorgesehen. Potentielle Kooperationspartner: Soziale Einrichtungen im Stadtteil, Kirchen, Frauenberatungsstellen, Frauenbeauftragte.
Vernetzung des Quartiers mit dem Umfeld Die fußläufigen Erschließungen bieten eine bequeme, angenehme und von Pkws verschonte Verbindung ins übrige Quartier. Die Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung sind zu Fuß schneller zu erreichen als mit dem PKW. Die Stadtteilgeschichte, z.B. des alten Gewerbestandortes der FFG und der dazugehörigen Arbeiterwohnbebauung, soll erlebbar bleiben. Neben privaten Außenräumen hat das Quartier deutlich ablesbare halböffentliche und öffentliche Bereiche, die dem Umfeld Offenheit bieten sollen. Der Entstehungsprozeß der neuen Siedlung, also die Beteiligung der Anlieger, soll in der Gestaltung erkennbar sein. Potentielle Kooperationspartner: IHK, Gewerbetreibende, vorhandene Geschäfte und Einrichtungen in der Umgebung, Genossenschaft Falkenried-Terrassen.
Flächendeckende Initiativen zur Verkehrsminderung Gerade in diesem Bereich ist die Kreativität vor Ort gefragt, als Stichworte seien hier nur genannt: Bewohnerticket, Bringeservice, CarSharing, Mobilitätsberatung. Potentielle Kooperationspartner: HHA, HVV, Anlieger, VCD, Umweltbehörde, Autofreies Wohnen e.V., StattAuto, Nahversorgungsunternehmen, Grünämter der Stadt und des Bezirkes.
Standortentwicklung als Mittelstandsförderung Die Entwicklung von Standortqualitäten auf Dauer erfordert eine materielle Matrix, an der sich gewerbliche und Dienstleistungsunternehmen ausrichten können und nicht den Aufbau einer starren, monofunktionalen Struktur. Leitlinien bei der Planung sind:
Potentielle Kooperationspartner: Kaufleute im Quartier, Handelskammer, Sozialträger, Arbeitssenator, Anwohner/innen.
Kulturarbeit Da viele Anliegen der Agenda 21 durch kulturelle Aktivitäten direkt umgesetzt werden können, wie Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen, und auch der Gedanke der Agenda selbst durch Kulturaktionen transportiert werden könnte, sollen verschiedene Künstler und Akteure aus der kulturellen Breitenarbeit mit in den Prozeß eingebunden werden. Potentielle Kooperationspartner: Beiräte, Theater, Galerien, Kulturgruppen.
Nutzer/innenorientierte Bau- und Finanzierungsarten Zu denken ist hierbei an die Möglichkeiten des Selbstausbaues, Möglichkeiten des frühzeitigen finanziellen Einstiegs, die finanzielle Entlastungen für die Nutzer/innen bieten sollen, aber auch Risikoübernahme und damit verbunden eine Risikoreduzierung der Bauträgerschaft. Potentielle Kooperationspartner: Verbraucherzentrale, Genossenschaften, Architektenkammer, Investor/innen, zukünftige Eigentümer/innen, UNI Hamburg/angewandte Sozialwissenschaften.
Zentrum für nachhaltige Entwicklung In Kooperation mit allen gegenwärtig und zukünftig Beteiligten sollte hier ein derartiges Zentrum ins Leben gerufen werden. Potentielle Kooperationspartner: Der Zukunftsrat, die Uni Hamburg, die Handwerkskammer, private Forschungsinstitute, der Verein "Agenda Nord e.V.i.G.", Handelskammer, Vereine und Initiativen, Investor/innen. |
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